Oelvogelhilfe Germany e.V.
 
 
17. August 2011Ölpest in der Nordsee: Was wäre wenn …?

Laut dem Ölmulti Shell sind seit Mitte vergangener Woche 217 Tonnen Öl aus zwei Lecks in der Pipeline der Ölbohrplattform „Gannet Alpha“ ausgelaufen. Britische Behörden sprechen von der größten Ölpest in diesem Gebiet seit über 10 Jahren. 
Was wäre eigentlich, wenn eine vergleichbare Ölmenge weiter südlich bei uns vor der deutschen Nordseeküste auftauchen und Tausende Seevögel verschmutzen würde?

Das Bündnis PRO Bird, zu dem auch die Oelvogelhilfe Germany e.V. gehört, setzt sich seit Jahren dafür ein, dass hierzulande Notfallpläne erarbeitet werden, die sich genau dieser Problematik annehmen. So auch in Schleswig-Holstein, wo verölte Tiere laut Leitlinie aus Kostengründen pauschal getötet werden.

„Wir haben vor einem Jahr dem zuständigen Ministerium in Kiel ein Konzept eingereicht, welches eine detaillierte Beschreibung dafür liefert, wie eine Rettung betroffener Vögel in die Gesamtschadensabwehr zu integrieren sei“, berichtet Katharina Neeb. „Nun wurde uns mitgeteilt, dass Schleswig-Holstein sich Außerstande sieht, in einem größeren ölschadensfall die für einen Rettungseinsatz notwendige Infrastruktur bereitzustellen, selbst wenn die an einer Rettung beteiligten Tierschutzorganisationen die Kosten einer Rehabilitation selbst tragen würden.“

Dies gleicht einer Bankrotterklärung. Tieren, die durch menschliches Verschulden in eine missliche Lage geraten sind und deren erfolgreiche Rehabilitation aus veterinärmedizinischer Sicht kein Problem darstellt, wird die benötigte Hilfe verweigert. In vielen Ländern weltweit –wie auch im aktuellen Fall in Großbritannien- ist die Rettung von verölten Vögeln nicht nur selbstverständlich, sondern unter Berücksichtigung der vorherrschenden Gesetze sogar Pflicht. Fest verankerte Verbindlichkeiten, Tieren in Not zu helfen, finden sich auch in Deutschland im heimischen Tierschutzgesetz sowie in Artikel 20a des Grundgesetzes.

„Wir sind gespannt, wie man diese Tötungen dem mündigen Bürger im Ernstfall erklären wird. Reha-Maßnahmen für verölte Tiere aus Kostengründen zu verweigern ist eine Farce, da erfahrungsgemäß die Kosten hierfür im Vergleich zur Beseitigung der ölverschmutzungen auf See und an der Küste bei durchschnittlich 0,5% der Gesamtschadensumme anzusiedeln sind“, so Neeb. „Wir wurden schon im Rahmen vieler internationaler ölkatastropheneinsätze angefordert, um mit unserem Fachwissen zu helfen. Es ist für mich nicht nachvollziehbar, warum dieses Wissen von den zuständigen Personen im Kieler Ministerium so beharrlich ignoriert und nicht gewünscht wird.“

Text: PRO Bird / Regmann und Neeb


März 2011
Verölte Stockenten auf Föhr wieder wohlauf 

Vergangenes Wochenende wurden bei uns im Tierhuus auf Föhr zwei verölte Stockenten abgegeben. Woher das öl stammte, ist bis heute nicht gesichert. Inzwischen wurde allerdings in einem Marschgraben (Inselbote berichtete) ca. 100 Lieter Diesel gefunden. Möglicherweise hatte das Entenpäarchen in diesem Gewässer gebadet oder versucht, dort zu landen.
Nach einigen Tagen Ruhe und Erholung wurden Erpel und Ente Mitte der Woche von uns gewaschen und saßen daraufhin abends nach dem Trocknen wieder zusammen.
Die Tiere konnten dann am Donnerstag (31.3.) am Lerchenhof wieder freigelassen werden. Dort waren sie aufgezogen worden und nach ihrer Verölung hingeflüchtet. Sie sind gleich nach Verlassen der Transportbox und einer kurzen Orientierungsphase zusammen losgeflogen. 


Februar 2011 / ölpest in Norwegen

Die ölpest vor der norwegischen Küste im Nationalpark Ytre Hvaler weitet sich aus. Obwohl Küstenwacht und mehrere Spezialteams alles Menschenmögliche tun, um das öl zu beseitigen, gibt es schon zahlreiche Opfer unter den Meeresvögeln. Die europäische Sea Alarm Foundation forderte nun zwei Mitarbeiter des Einsatzteams von „PRO Bird“ an, um bei der Rettung betroffener Vögel professionelle Hilfe zu leisten.
„Es ist die fünfte größere ölpest in Norwegen seit 2004 und die vierte, bei welcher wir dort unser Know How zur Verfügung stellen. Lediglich bei der ölpest verursacht durch den Frachter „Rocknes“ waren wir seinerzeit nicht vor Ort. Damals hatten wir zeitgleich einen großen öl-Einsatz an der deutschen Westküste" berichtet Christian Erdmann, Mitarbeiter des PRO Bird Einsatzteams, der seit Mittwoch vor Ort ist,
Primäres Ziel des Rettungteams ist, eine temporäre Station zu errichten, in welcher die Tiere anschließend nach internationalen Standards behandelt werden können.  Der mehrere Kilometer lange und auseinandergedriftete ölteppich hat zahlreiche sensible Zonen erreicht, in denen sich über 200 verschiedene Vogelarten befinden. 
Für weitere Informationen über den Einsatz erreichen Sie uns unter der
E-Mailadresse katharinaneeb@oelvogelhilfe.org sowie unter der Notfallnummer: +49 179/6740714.